POLARZOO FESTIVAL 2006                                                                bands | live pics | media | reviews

Finest Rock from Scandinavia
Unter diesem Motto veranstalten die Macher von POLARZOO in diesem Jahr ihr erstes Festival. Repräsentativ für jedes der nordischen Länder spielt an diesem Abend eine Band. Ausgenommen Schweden, das mit zwei Gruppen vertreten ist. Wer bisher nur die „großen“ Acts wie THE HIVES oder THE SOUNDTRACK OF OUR LIVES kannte, durfte sich am Samstag darüber freuen, dass Skandinavien noch einiges mehr an guter Musik zu bieten hat. Abgesehen vom Headliner SUGARPLUM FAIRY, die wohl die bekannteste Band an diesem Abend ist, können sich die musikalisch unterschiedlichen Bands jedenfalls eines sicher sein. Spätestens jetzt haben sie nicht mehr nur in ihrer nordischen Heimat eine Fangemeinde. Dank POLARZOO, die sich zur Aufgabe gemacht haben, als Wegbereiter skandinavischer Bands für den hiesigen Markt zu dienen. Kurzum, die Organisatoren zeigen mit ihrem feinen Gespür einmal mehr, dass es sich lohnt einen Blick auf ihre deutschlandweit organisierten Veranstaltungen und zu werfen. So auch an diesem Abend. ULPA aus Island eröffnen das Indoor-Festival um 20 Uhr. Ein wie immer undankbarer Job, den die Band mit der weitesten Anreise jedoch bravourös erfüllt. Die vier jungen Isländer überzeugen mit ihrem halbstündigen Auftritt die noch verhältnismäßig wenigen Besucher zu früher Stunde. Die Band vereint sphärische Elektrosounds mit wuchtigen Spacegitarren und treibenden Beats. Darüber platzieren die Isländer durch ihren Sänger ein Wechselspiel zwischen kreischendem und stellenweise sehr hohem Gesang á la RADIOHEAD oder SIGUR ROS. Ein sehr kurzer, doch beeindruckender Auftritt von ULPA. Um 20.45 betreten die Schweden MON ROE die Bühne. Im Gegensatz zu ULPA liegt hier das Hauptaugenmerk auf der aktiven Bühnenpräsenz. Die fünf Schweden fallen nicht nur durch ihr Outfit auf, das denen der HIVES doch beträchtlich ähnelt. Nach eigenen Angaben ist Alfred Hitchcock's Meisterwerk "Vertigo" für ihren Kleidungsstil verantwortlich. Auch ist ihre Performance beeindruckend. Sänger Staffan könnte auch der kleine Bruder von Biff Malibu (seines Zeichens Frontmann der kürzlich aufgelösten Band GLUECIFER) sein. Die Bühne im Dauerlauf erkundend heizt er die Menge ein, springt von Boxen, spuckt Wasserfontänen über sich und die ganze Band. Kurzum – MON ROE lassen es richtig krachen. Die dritte Combo an diesem Abend sind die Finnen von KOMETA. Die drei außergewöhnlichen Jungs fallen schon äußerlich aus dem Rahmen. In schrillem freakig rot-weißem Outfit ist das Trio aus Helsinki musikalisch die härteste Band des Tages. Mit wuchtigen Gitarren und gewaltigen Schlagzeugbeats vereinen sie Sounds der härteren Gangart. Bands wie MELVINS, HELMETS oder die QUEENS OF THE STONE AGE fallen einem als erste beim Hören dieser Combo ein. Die dänische Band JOYCEHOTEL zählt zu den Pechvögeln des Abends. Technische Probleme lassen keinen einwandfreien Auftritt zu und sind dafür verantwortlich, dass die Band erst in der zweiten Hälfte ihres Gigs zur gewohnten Routine übergeht. Die Dänen präsentieren neben Liedern ihrer letzten Platte auch Werke ihres im August erscheinenden Albums. Abgesehen von allen Schwierigkeiten während ihres Auftritts lässt sich zweifelsohne das musikalische Können und das geniale Songwriting der Band erkennen. Lieder wie „Sisher“ und „Wpapa“ sind nicht nur auf dem Album, sondern auch live eine Augenweide. Die Norweger von LOW FREQUENCY IN STEREO, bestechen durch ihren lo-fi-post rock. In ihrem knapp 45minütigen Auftritt lassen sie keinen Zweifel daran entstehen, dass sie wohl eine der besten Instrumental Bands auf dem Markt sind. Mit spärlich versehenem Gesang, der mittlerweile fester Bestandteil ist, konzentrieren sie sich auf eher treibende Beats und melodiös psychedelische Gitarrenriffs. Sie wirken äußerst gelassen und sorgen mit ihrem Stil für eine eher entspannte Atmosphäre. Zu guter Letzt spielt die zweite schwedische Band an diesem Abend. SUGARPLUM FAIRY mobilisieren ihre Fangemeinde, die schon seit Stunden die ersten Reihen des Kesselhauses in Beschlag genommen haben. Mit Hilfe einer gekonnten Lightshow wird die Band passend ins Bühnenbild gesetzt. Die fünf Jünglinge vereinen musikalische Züge von den BEATLES, THE WHO und OASIS. Frisch und unbekümmert wirken sie und geben den Besuchern innerhalb der 70 Minuten ein abwechslungsreiches Set, in dem die Musiker untereinander die Instrumente tauschen und somit ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellen. Die vielen unterschiedlichen Musikstile und das abwechslungsreiche Programm sind der Hautgarant für diesen unterhaltsamen Abend, der durch die qualitative Stärke der Bands und die hohe Besucherzahl zu einem echten Erfolg verbucht werden kann. POLARZOO ist mittlerweile zu einer festen Institution geworden und es bleibt den Verantwortlichen zu wünschen, dass wir uns auch im nächsten Jahr wieder sehen. >> Mirko Bogedaly Triggerfish